Ausgabe up 11-2017 | Rubrik Politik

Themenschwerpunkt Heilmittel-Richtlinie: Interview mit Roy Kühne zur geplanten Reform

vom: 01.11.2017
Foto von Roy Kühne

Dr. Roy Kühne ist Physiotherapeut und seit 2013 Mitglied im Deutschen Bundestag. Als Vertreter der CDU/CSU-Fraktion war er während der vergangenen Legislaturperiode Mitglied im Ausschuss Gesundheit. up hat ihn nach seiner Meinung zur geplanten Reform der Heilmittel-Richtlinie gefragt.

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up: Herr Kühne, der G-BA hat im September beschlossen, die Heilmittel-Richtlinie und den Heilmittel-Katalog erneut zu überarbeiten. Halten Sie das für sinnvoll?

Roy Kühne: Grundsätzlich halte ich eine Reform der Heilmittel-Richtlinie für eine sehr gute Idee. Da gibt es eine Vielzahl von Punkten, die sich verbessern lassen. Allerdings darf eine solche Überarbeitung nicht simpel auf Annahmen beruhen, wie sie im Konzeptpapier der KBV auftauchen. Einmal mehr möchte ich betonen, für wie wichtig ich eine rechtzeitige Einbindung der Heilmittelerbringer von Anfang an halte.

up: Aber die Heilmittelerbringer kommen erst am Ende im sogenannten Stellungnahmeverfahren zu Wort. Wie finden Sie diese Vorgehensweise?

Roy Kühne: Die Heilmittelerbringer mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen aus der Praxis von der Beratung auszuschließen, ist meiner Ansicht nach ein Fehler im System. Es ist zu spät, sie erst anzuhören, wenn der Beschlussentwurf bereits verfasst wurde. Im Stellungnahmeverfahren können sie dann nur noch wenig inhaltlich Einfluss nehmen.

up: Bei der Reform der Heilmittel-Richtlinie soll auch die fehlende Evidenz ein Thema sein. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Roy Kühne: Es stimmt. Es gibt viel zu wenige wissenschaftliche Untersuchungen und Belege dafür, welche Heilmittelbehandlung in welchem Umfang bei welchem Krankheitsbild am besten hilft. Hier müsste deutlich mehr Forschung betrieben werden. Doch dieses Problem besteht bereits seit Einführung der Heilmittel-Richtlinie. Seither wurde sie zwar immer wieder verändert, das Problem der fehlenden Evidenz aber nicht angefasst.

Noch ein ganz wichtiger Punkt: Das Fehlen der Evidenz liegt nicht daran, dass sich die Wirksamkeit von Heilmitteln nicht nachweisen ließe. Denn dass sie wirken, sehen wir jeden Tag in der Praxis. Vielmehr fehlt das Geld für die nötige Forschung. Daran wird aber auch diese Reform der Heilmittel-Richtlinie nichts ändern.

Bildnachweis: up aktuell

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