Anhörung zum HHVG: Thema Blankoverordnung und Indikationsstellung

vom: 02.12.2016

Dr. Georg Kippels, CDU/CSU, richtet eine Frage an den Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK), den G-BA und Prof. Neubauer:

 „Welche Vorteile bietet die Blankoverordnung von Heilmittel? Können Sie diesbezüglich auf die Kompetenz der Leistungserbringer im Hinblick auf die Frequenz der Behandlungseinheiten eingehen? Die Indikation – in Gänsefüßchen – bleibt weiter in der Verantwortung des behandelnden Arztes. Sehen Sie hierin einen Widerspruch zu dem Ansatz, die Heilmittel-Leistungserbringer stärker in die Versorgung mit einzubringen?“

ZVK: Nur Therapeuten können Frequenz der Behandlung richtig einschätzen

Laut Andrea Rädlein begrüße auch der ZVK die Blankoverordnung – „aber sicherlich nicht so, wie sie im System bisher verantwortet ist.“ Der Schlüsselpunkt sei die Indikationsstellung durch den Arzt. Der Physiotherapeut müsse Art und Frequenz des Heilmittels aufgrund der Indikationsstellung auswählen können:

„Kein Arzt kann sagen, welche Frequenz die richtige ist, wenn er den Patienten dabei nicht in den Händen hat. Nur wir können sagen, ob eine hochfrequente Therapie für den Moment  sinnvoll ist, um dann weitere Behandlungen in größeren Intervallen fortzusetzen, oder ob der Patient den Belastungen im Moment nicht statthält.“

Die Inhalte der Modellvorhaben sollten laut Rädlein deshalb unbedingt von Heilmittelerbringern und Kostenträgern gemeinsam vereinbart werden. Der Arzt sollte mit einbezogen werden, wenn er eine Indikation stellen möchte, das sollte aber nicht auf einer höheren Ebene angesiedelt werden.

G-BA: Indikationsstellung durch den Arzt ist noch notwendig

Hecken vom G-BA widerspricht Rädlein an dieser Stelle: Er halte es nicht für sinnvoll, wenn der Arzt einbezogen würde, wenn eine Indikation stellen möchte. Hecken zufolge brauche man die Indikationsstellung des Arztes in Verbindung mit der Blankoverordnung solange, bis es entsprechende Änderungen in der Aus- und Fortbildung der Therapeuten gibt.

Die Vorteile der Blankoverordnung lägen auf der Hand. Der Therapeut könne derzeit von einer Indikation aus ohnehin schon relativ frei behandeln, aber auf rechtlich unsicherem Grund. Das werde mit der Blankoverordnung nun besser. Das sei die Flexibilität, die wir zur Optimierung der Versorgung brauchen. Im Augenblick halte Hecken es aber für „kühn, zu sagen, dass ein Therapeut dieselben diagnostischen – insbesondere querdiagnostischen – Erkenntnisse hat, die ein Arzt hat.“ Er sehe die Blankoverordnung als Möglichkeit, sich peu à peu an den Direktzugang heranzutasten. Man solle darüber, mit den Erfahrungen aus der Blankoverordnung, in vier, fünf Jahren noch einmal nachdenken.

Prof. Neubauer:

Prof. Neubauer ergänzt, das jetzige System sei auch ein Steuerungssystem der Ausgaben:

„Das wird man nicht fallen lassen können. An diese Stelle wird ein anderes Instrument treten müssen. Es ist zweifellos so, dass der Physiotherapeut über den Inhalt seiner Tätigkeit besser Bescheid weiß als der Arzt. Aber wenn ein Arzt feststellt, dass Therapie nötig ist und das zweite dem Physiotherapeuten überlassen wird, entspricht das den Fähigkeiten von beiden.“

Die Blankovollmacht halte Neubauer für inhaltlich sinnvoll und auch nicht für aufhaltbar. Man werde sich aber Gedanken machen müssen, wie das System der begrenzten Mittel neu nachgesteuert werden kann, zum Beispiel mit einem Volumen für die begrenzten Mittel, wie es die Ärzte heute schon haben.

Themen: Heil- und Hilfsmittelgesetz HHVG
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