Anhörung zum HHVG: Thema Die Berufsverbände zum Direktzugang

vom: 02.12.2016

IfK: „Voraussetzungen für Direktzugang sind gegeben“

Die SPD-Abgeordnete Bettina Müller fragt dann die anwesenden Berufsverbände nach dem Direktzugang:

„Sie sprechen sich ja, wie auch der Bundesrat, dafür aus, auch den Direktzugang zu erproben. Liegen nach Ihrer Auffassung heute schon die Voraussetzungen vor, um gegebenenfalls neben der Blankoverordnung auch den Direktzugang in geringem Umfang erst einmal modellhaft zu erproben, insbesondere unter dem Aspekt, dass der Ausbildungsstand eine Rolle spielt, die Teilnahmebereitschaft und die regionale Verteilung der Leistungserbringer?“

Daraufhin antworten nacheinander die Vertreter der Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten. Ute Repschläger vom Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IfK) sagt:

„Ja, die Voraussetzungen sind gegeben und man sollte jetzt die Chance unbedingt nutzen. Wenn Sie sagen ‚im geringen Umfang‘, dann bitte zumindest im Bereich des Muskoskelettalen. Das muss dann nicht verpflichtend für alle Kassen gelten – wir haben bestimmte Kassen, die schon ein Interesse signalisiert haben. Die Ausbildungsstandards hier in Deutschland sind auch angemessen. Wenn man den Zeitpunkt vergleicht, zu dem andere Länder den Direct Access eingeführt haben, befanden auch die sich in einem Übergang von schulischer zu akademischer Ausbildung.“

Es wäre also jetzt genau die richtige Zeit. Ohnehin wählten immer mehr Physiotherapeuten den Weg des kleinen Heilpraktikers: mittlerweile 42 Prozent der IfK-Mitglieder, 22 Prozent würden es planen. Studien in anderen Ländern zeigten auch, dass nach einigen Jahren 96 Prozent der Ärzteschaft den Direct Access positiv sehen und als Entlastung empfinden.

dbl: Für Logopäden ist der Direktzugang „alternativlos“

Für Frauke Kern vom Deutschen Bundesverband für Logopädie (dbl) ist der Direktzugang „alternativlos“. Die Sprachtherapie-Verbände wollten die Blankoverordnung nicht. „Wir bringen die Voraussetzungen bereits mit, die logopädische Diagnostik ist fester Bestandteil der Ausbildungs- und Prüfungsordnung und fest in der Arbeit verankert, ergänzend zur ärztlichen Diagnostik.“

Über eine Novellierung der Berufsgesetze könne das auch rechtlich schnell umgesetzt werden. Laut Kern möchte die Berufsgruppe den Direktzugang jetzt und nicht erst, wenn die Modellklausel zur Akademisierung abgeschlossen ist. „Wir bieten dem G-BA sehr gerne unsere Expertise an bei der Findung der Indikationsstellung, damit klar ist, für welchen Bereich wir das erst einmal ausprobieren können.“

DVE: Ergotherapeuten sehen großes Interesse der Patienten

Auch der Deutsche Verband der Ergotherapeuten (DVE) ist laut Vorsitzendem Arndt Longrée der Überzeugung, dass der Direktzugang erprobt werden soll.

„Wir haben in der Ergotherapie einen großen Anteil an Menschen mit chronischen und psychischen Erkrankungen sowie Behinderung, denen wir auch immer mehr zugestehen, Experten in eigener Sache zu sein – warum können sie nicht mitentscheiden, wann es Zeit ist, eine Ergotherapeutin oder einen Ergotherapeuten aufzusuchen? Ich denke, dafür ist es an der Zeit.“

Die nötigen Kompetenzen für den Direktzugang seien bei den Ergotherapeuten vorhanden, auch wenn es durchaus nötig sei, für ein Modellverfahren in geringem Umfang zusätzliche Schulungen einzuführen. Diese würden aber überschaubar ausfallen und seien im Rahmen eines Modellverfahrens auch absolut üblich.

Die Teilnahmebereitschaft von Therapeuten und Patienten sei ebenso da. „Die Frage kommt immer wieder an uns“, berichtet Longrée: „Warum muss ich schon wieder zum Arzt gehen und mir eine Folgeverordnung holen?“ In einem Modellverfahren wäre es wichtig, sowohl den städtischen als auch den ländlichen Bereich in den Fokus zunehmen.

Themen: Heil- und Hilfsmittelgesetz HHVG

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