Neuer Ausbildungsgang zum Arztassistenten
Halbe Sache oder ganze Hilfe?
Die Duale Hochschule Baden-Württemberg plant für das Wintersemester 2010/ 2011 einen neuen Ausbildungsgang: „Arztassistenten“. Ob die Absolventen in Zukunft zum Bindeglied zwischen Arzt und Therapeut werden, ist noch völlig unklar.
Noch gibt es sie nicht - aber die Duale Hochschule Baden-Württemberg bildet sie bald aus: Praxishelfer. Sie könnten Praxis-Teams, wie dieses aus Cuxhaven, unterstützen
Während die Hochschule ihre Idee als hochwertigen Bachelor-Ausbildungsgang zur qualifizierten Unterstützung von überangestrengten Ärzten lobt, kritisieren Arztvertreter Arztassistenten als „halbe Ärzte, die genauso viel können wie Praxishelferinnen aber doppelt so viel kosten“, so Dr. Heinz Jarmatz, Chef des Hausärzteverbandes in Niedersachsen. Was die Ärzte allerdings nicht bedenken: Arztassistenten könnten ein vorzügliches Bindeglied zwischen Therapeuten und ihren Angeboten sein.
Die Assistenten sollen dem niedergelassenen oder Klinik-Arzt auf Delegationsbasis beistehen. Als Kandidaten haben die Initiatoren vor allem Pflegeberufe im Visier. „In anderen europäischen Ländern, wie etwa Holland oder auch in den USA gibt es solche physician assistents längs“, sagt Professor Konrad Spessardt, Lehrbeauftragter an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und zuständig für die Assistenten, „dort hat man durchweg gute Erfahrungen gemacht.“
Zwei Jahre “Basis-Ausbildung”
Die Ausbildung umfasst zwei Jahre „Basis-Ausbildung“ – von Anatomie bis Zellbiologie. Im dritten Jahr durchlaufen die Studierenden die praktische Spezialisierung zum Chirurgieassistenten oder zum Assistenten der innen Medizin mit vielen Praxisphasen in kooperierenden Einrichtungen. Am Schluss steht der Bachelor, „der dem Staatsexamen gleich kommt“, sagt Spessardt. Ein Master ist nicht geplant.
Die Absolventen beherrschen die Anamnese mit körperlicher Untersuchung, können Diagnosen vorschlagen, Konsiliardiagnostiken berücksichtigen, einen Behandlungsplan aufstellen und durchführen, bei Operationen assistieren und kleine Eingriffe auf Anordnung des Arztes durchführen, heißt es. „Ebenso können sie medizinische Informationen adressatengerecht weitergeben, Verlegungen beziehungsweise Überweisungen organisieren und fachliche Protokolle und Dokumentationen der Behandlung erstellen“, so Vertreter der Hochschule. Zudem berücksichtige die Ausbildung ganz besonders Teamwork und soziale Aspekte, so Spessardt, „Arztassistenten können den Kontakt zu Fachärzten und Therapeuten so fruchtbar gestalten wie es ein Arzt aus Zeitmangel gar nicht könnten.“
Ärzte kritisieren Modell
Die Ärzte indessen schienen wenig begeistert. „Das, was ich delegieren kann, können auch meine Praxishelferinnen machen“, argumentiert Niedersachsens Hausärztechef Dr. Heinz Jarmatz. „Außerdem können wir von den Kassen nicht 30 Jahre lang den Facharztstandard fordern und dann mit halben Ärzten arbeiten. Wenn die Kassen da mitziehen, dann riskieren sie definitiv den Facharztstandard!“
Ob der Studiengang funktioniert oder floppt, steht in den Sternen. Spessardt: „Bisher haben wir viel Zuspruch von Kassen und Krankenhäuser – aber noch keinen Kooperationsvertrag abgeschlossen.“
Tags: Ärzte, Ausbildung, Baden-Württemberg, Niedersachsen

Das ganze hört sich in der Tat sehr wackelig an. Der absolute Pluspunkt wäre wirklich eine Entlastung der Ärzte für Kernaufgaben.
Vielleicht sollte, die Entlastung mehr im Verwaltungsbereich, sprich Budgetsicherheit aufbauen, Strategieunterstütztes Arbeiten fördern. So kann der Arzt mit mehr Standsicherheit agieren.
Andreas Hecker
Ja und Nein für das ganze.Bin selber Physiotherapeutin und weiss wie schwer manchmal die Komunikation zwischen Arzt und Therapeut ist.Mir ist klar,das die Ärzte das nicht gutheißen das jemand der dann wohlmöglich nach 3 Jahren (Therapeut dann 6 Jahre insgesamt) Lehre wohlmöglich bessere, andere und richtige Diagnosen stellt als der Arzt.Das ist ja schon in unserem Beruf oft das Problem.Daher?