6. Nationale Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft
„Digital Natives“ sind Patienten von morgen
Auf der sechsten Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft in Rostock wurden zwei Entwicklungen deutlich, die in den kommenden Jahren eine deutlich größere Rolle als bislang spielen werden: Informierte Patienten kommen mit einem größeren Vorwissen in die Praxis und haben dies häufig auch schon in Web-Communities mit anderen Erkrankten ausgetauscht.
Rostock. Therapeuten müssen sich auf neue Anforderungen in ihrem Praxisalltag einstellen. „Heutige Maßstäbe über das Kommunikationsverhalten beim Thema Gesundheit dürfen nicht linear in die Zukunft übertragen werden“, sagte Frank Stratmann. Der Initiator und Gründer der Wissensgemeinschaft Netzwerk praxistotal berichtete in Rostock von einem Trend, der besonders unter jüngeren Patienten zu beobachten ist: Sie tauschen sich über Portale im Internet über ihre Erkrankungen aus. Nach seiner Ansicht stellen sich damit an die Leistungserbringer im Gesundheitswesen neue Herausforderungen. Praxisinhaber sollten auf diesen Trend reagieren und sich überlegen, wie sie die Entwicklung für ihr eigenes Marketing nutzen können. Stratmann sieht Gesundheitsdienstleister als fachkundige Moderatoren in solchen Portalen gefordert. Er warnte davor, den Trend, sich im Internet über gesundheitliche Themen zu informieren, zu ignorieren. So genannte „digital natives“ sind es gewohnt, sich primär im Internet umzuhören – auch wenn sie dabei Informationen über sich selbst preisgeben. Das Problem: Es fehlt bei einem Informationsaustausch über Erkrankungen häufig an Expertenwissen – ein Defizit, das Gesundheitsdienstleister ausgleichen und damit zugleich für sich werben könnten.
Auch die Krankenkassen setzen darauf, dass sich die Menschen zunehmend selbst informieren und zum Experten der eigenen Erkrankung, aber auch für die Vorbeugung werden. Birgit Fischer, Vorstandschefin der größten deutschen Krankenkasse Barmer GEK, will diese Entwicklung forcieren. Sie erwartet einen Paradigmenwechsel, der durch die im Internet informierten Patienten schneller erreicht werden könnte – nämlich im Gesundheitswesen konsequent aus Sicht des Patienten zu denken und Prävention wie selbstverständlich im Alltag zu verankern. Dafür muss nach Ansicht Fischers aber auch von den Krankenkassen noch einiges geleistet werden. Als Beispiel nannte sie die Schaffung von mehr Transparenz, die Patienten in die Lage versetzt, eigenverantwortlich zu handeln und präventive Angebote wahrzunehmen bzw. einzufordern. Fischer sprach sich für mehr solcher Ansätze vom Kindergarten bis zum Arbeitsplatz aus.
Sollten Therapeuten sich also schleunigst in Portalen einmischen und auf diese Weise auf ihre Praxis und präventive Angebote aufmerksam machen? Stratmann warnte vor Aktionismus. Wer Marketing im Internet für sich machen will, so seine Botschaft, sollte sich zunächst um seine Praxisphilosophie und Leitbild kümmern.
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