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10.06.2010
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Studie zu alternativen Heilmethoden

Akupunktur-Nadeln aktivieren körpereigenes Schmerzmittel

Akupunktur kann Schmerzen lindern. Das haben US-Wissenschaftler jetzt in Versuchen mit Mäusen herausgefunden: Die Akupunktur-Nadeln aktivieren offenbar das körpereigene Schmerzmittel Adenosin.

„Akupunktur ist in einigen Teilen der Welt seit 4.000 Jahren eine tragende Säule der medizinischen Behandlung“, meinte Maiken Nedergaard vom Center for Translational Neuromedicine an der University of Rochester im US-Bundesstaat New York. „Nur weil sie nie vollständig erklärt werden konnte, blieben viele Menschen skeptisch.“ Dennoch werde die Akupunktur in der Schmerztherapie immer mehr akzeptiert, da sich neben dem Placebo-Effekt schmerzlindernde Veränderungen in Hirn, Rückenmark oder Peripherie nachweisen ließen. Bekannt sei vor allem die Ausschüttung körpereigener Opiate, sogenannte Endomorphine.

Studienleiterin Nedergaard und ihr Team hätten in einem Experiment an Mäusen einen biologischen Mechanismus entdeckt, hieß es in einer Online-Pressemitteilung: Als Folge des Einstichs habe sich das körpereigene Molekül Adenosin vermehrt im Gewebe angesammelt und damit eine Schmerzhemmung bewirkt.

Bislang sei von Adenosin bekannt, dass es den Blutdruck durch eine Blutgefäß-Weitung sinken lässt und die Herzfrequenz verringert. Zudem fördert es Schlaf, hemmt Entzündungen und verhindert Nervensignale, die etwa bei einer Hautverletzung aktiv werden und Schmerz auslösen. Nun konnte gezeigt werden, dass die Substanz auch in jenen tieferen Hautschichten aktiv ist, in die Akupunkturnadeln eindringen.

Für die Studie hatten die Forscher bei Mäusen ein chronisches Fußleiden imitiert und die Tiere anschließend 30 Minuten lang mit Akupunktur behandelt – genau wie beim Menschen mit regelmäßiger Drehung der Nadeln. Unmittelbar danach konnte eine lokale Erhöhung des Adenosin-Niveaus im Gewebe auf das 24-fache festgestellt werden und Verhaltenstests zeigten, dass die Mäuse um zwei Drittel weniger Schmerz litten. Die Linderung trat auch dann ein, wenn Adenosin ohne Nadelstiche aktiviert wurde.

Die Studie ist im Fachmagazin „Nature Neuroscience“ erschienen. Parallel dazu berichteten die Forscher von ihrer Entdeckung auf dem wissenschaftlichen Kongress „Purines 2010“ im spanischen Tarragona. Die neuen Erkenntnisse hätten möglicherweise auch Einfluss auf chiropraktische Eingriffe oder Massagen wie Akupunktur gegen Schmerzen, indem sie über einen mechanischen Reiz zu einer lokalen Adenosinausschüttung führen, spekulierten die Wissenschaftler.

Quelle: Johnson, N. et al.: Adenosine A1 receptors mediate local anti-nociceptive effects of acupuncture. In: Nature Neuroscience 10.1038/nn.2562, 2010.

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